"ons stad" — ROBERT BRANDY

Wunderschöne Objekte der Begierde
Wenn Besitzer von Classic-Cars ins Schwärmen geraten...

Ein mehrseitiger Bericht in der Zeitschrift
ons stad, Ausgabe 70, Juli 2002,
über Robert Brandy.

'ons stad', Nr. 70, Juli 2002


Wunderschöne Objekte der Begierde
Wenn Besitzer von Classic-Cars ins Schwärmen geraten...
Robert Brandy
Der Luxemburger Maler Robert Brandy hat seit einiger Zeit sein Atelier auf den Geesseknäppchen verlegt. Die renovierte alte Schlosserei bietet dem Künstler nicht nur exzellente Tageslichtverhältnisse zum Arbeiten, sondern auch genügend Platz für seine zweite große Leidenschaft: seine alten englischen Sportwagen.

So ist Brandys Arbeitsstätte in genau zwei Hälften unterteilt. Der rechte Teil des Gebäudes gehört der Kunst: Hier geht der Maler zu Werke, hier stehen in großen Regalen die selbstgefertigten, jungfräulich weißen Leinwände in Reih und Glied, an den Wänden hängen des Malers Lieblingsbilder, da stehen die Farbtöpfe, dort die angefangenen Werke auf Staffeleien, hier liegen die Tuben, die Bürsten, die Pinsel...

Und wenn der Künstler am Schaffen ist, kann er jederzeit einen zärtlichen Blick auf die linke Seite werfen, auf seine geliebten Oldtimer. Da parken sie nämlich, blitzblank gewienert in zwei Dreierreihen: Ein weißes Austin-Healey Cabrio 100/4 Baujahr 1953, ein rotes Big Healey-Coupé von 1963 mit einer Drei-Liter-Maschine und 6 Zylindern, ein kleiner grüner Frogeye Healey Sprite MK1 (1959), ein dunkelblauer Morris Minor Van von 1970 und zwei Reliant Sabre 6 aus den sechziger Jahren, einer in Blau und einer in Silber.

Und gleich gegenüber stehen schön geordnet in Vitrinen Brandys gesammelte Modellautos, darunter natürlich vor allem Healeys in allen Farben und Versionen.

Woher kommt diese Liebe zu alten Autos, zu Oldtimern? Mit einer derart dilettantischen Frage wäre man in England jetzt schon unten durch. Kein Sammler würde dortjemals das Wort "Oldtimer" in den Mund nehmen: Classic Car, Vintage Car und Veteran Car sind je nach Epoche die trefflichen Bezeichnungen, die ein Brite für seine Schätze wählt.

Robert Brandy: "Schon als kleiner Junge war ich ein Autonarr. Ich konnte schon am Motorengeräusch erkennen, was da gerade angefahren kam, ein Citroen, ein Volkswagen, ein Mercedes, ein Jaguar, ein Peugeot, ein Opel.

Denn damals hatten die Autos noch eine Seele und vor allem ein Gesicht. Sah man sie auf sich zukommen, so war der Kühlergrill der Mund, und die Scheinwerfer waren die Augen. Manche Autos schauten grimmig drein, manche lächelten, und andere lachten sogar. Sieh mal den kleinen Frogeye da hinten, wie freundlich und geradezu verschmitzt er dreinschaut. Wenn ich mir dagegen all die Neuwagen von heute so angucke, die sehen doch fast alle gleich aus. Sie haben keine Gesichter mehr. Und wenn ich die Motorhaube bei denen aufklappe, da orte ich nur noch Computer und Elektronik. Bei den alten dagegen wirfst du einen Blick rein, und du ,kannst die ganze Technik verfolgen bis ins kleinste Detail. Von der wunderschönen Linienführung der Karosserien gar nicht zu sprechen."

Irgendwie ist Robert Brandy, trotz seiner inzwischen 56 Jahre, noch derselbe begeisterungsfähige kleine Junge geblieben, der er damals war, als die Autos noch ihre ureigenen Formen, Macken und Gerüche hatten. Und wenn er die wunderschönen Veteranen - vor allem seine eigenen! - malt, dann ist er plötzlich nicht mehr der Künstler der abstrakten, ineinanderfließenden Farben und Formen, wie ihn jeder kennt. Mit viel Liebe zum figurativen Detail hat er nämlich für einmal seine Schätze auf die Leinwand gebannt, und vor zwei Jahren hat die Galerie der Banque Internationale Dexia BIL unter dem Leitmotiv Brandy - Autoportrait sogar eine ganze Ausstellung allein seinen Autobildern gewidmet. Und kürzlich hat Brandy gar für viel Geld ein großformatiges Konterfei eines seiner Healeys vom Besitzer zurückgekauft. "Ich habe es vermisst, ich musste es einfach wiederhaben!", so der Künstler augenzwinkernd. Heute hängt es wieder dort, wo es hingehört: an der Wand gleich über der Vorlage, dem alten Roadster von 1953.

'just for fun, not for pleasure'

Blick auf die geliebten Oldtimer

Links:

"Und wenn der Künstler
am Schaffen ist, kann er
jederzeit einen zärtlichen
Blick auf die linke Seite
werfen, auf seine geliebten
Oldtimer."

Austin-Healey und Reliant Sabre 6